Praktikumsbericht

22.08.2010 - 26.09.2010 Sahra Eickmann • Gentle-Horse-Ranch

Eine Zeit voller freundlicher Tiere, Bauchmuskeltraining, blauer Flecken und schräger Märchenfiguren.
Oder auch: eine hoffentlich unendliche Geschichte!

Schon als ich mich im März auf der Gentle Horse Ranch vorgestellt und mir alles angeschaut habe, habe ich mich sehr wohl gefühlt. Und so stieg die Vorfreude auf mein Praktikum dort mit der Zeit immer weiter an. Mitte August gings dann langsam ans Planen und Packen, denn bei einer mehrwöchigen Reise mit Pferd will einiges bedacht sein. Und so starteten wir dann am 21. August mit voll bepacktem Auto und Pferdeanhänger auf ins Dörfchen Dierkshausen.



Nach einem herzlichen Empfang durfte sich zuallererst mein lieber 4-beiniger Begleiter die Beine vertreten und das neue Paddock einweihen – gar nicht so einfach, so lange Beine im bergauf und bergab zu koordinieren, wenn man vom platten Land kommt. Nachdem zig Taschen, Koffer, Kartons und der ganze Pferdekram verstaut waren, hieß es für Feuersturm nochmals Beine sortieren, denn nun sollte es runter gehen auf die große Weide zu den anderen Pferden. Dieser Empfang verlief zwar nicht ganz so herzlich wie bei uns Zweibeinern, aber als neuer Weidenachbar war mein kleiner Riese doch recht schnell akzeptiert.
     
 Nachdem er mit Wasser und Rauhfutter verpflegt war, hieß es für mich eintauchen in die Welt der Westernreiterei. Als Einstimmung in das Praktikum stand der Besuch eines Westerturniers auf unserem Plan. Für mich als langjähriger Englisch-Reiter eine interessante Veranstaltung, bei der ich mich doch erst einmal mit so einigen Vokabeln vertraut machen musste. Aber bei diesem Englisch-meets-Western-Ausflug wurden mir dank Tess Diskussionsbereitschaft schnell die Parallelen und Unterschiede bewusst und so wurde es ein Nachmittag mit zahlreichen Vergleichen und kritischen Feststellungen. Als wir am frühen Abend wieder zurück waren und ich feststellte, dass mein Feuersturm noch dort stand wo er stehen sollte und dabei zufrieden sein Heu und Gras mampfte, war mir eigentlich schon klar, dass wir zwei auf der Ranch eine schöne Zeit verbringen würden. Und ich sollte Recht behalten!! Es folgten so viele tolle Tage, an denen wir teilweise vor Lachen die Arbeit unterbrechen mussten -- denn man kann ziemlich schlecht Steine ausbuddeln oder Wurzeln kappen, wenn man die Luft zum Lachen braucht ;-)  Aus eigener Erfahrung lässt sich auch sagen, dass gleichzeitiges Essen und Lachen nicht empfehlenswert ist. Es gab in all den Wochen nicht einen Tag, an dem uns nicht wenigstens 1 Mal vor Lachen der Bauch weh tat – ist auch kein Wunder, denn auf der Ranch tragen sogar die Ameisen zur allgemeinen Erheiterung bei. Hier schlägt die nette Atmosphäre und der liebenswerte Umgang der Zweibeiner sogar auf die Tiere über; so sagte uns fast täglich der Igel „Gute Nacht“, wenn er sich am Katzenfutterbuffet den Bauch voll schlug und unsere freundliche, unerschrockene Amsel begrüßte uns jeden Morgen aufs Neue.



Ich kann also sagen, auf der Ranch wird es einfach nie langweilig – wenn einen nicht die lieben vierbeinigen Bewohner auf Trab halten, dann ist es Tess mit ihrem fast unermüdlichen Elan. Denn eigentlich gibt es kaum etwas, was Tess nicht selber macht – ihr Repertoire reicht vom Zaunbau über die kreative Hundehüttenplanung, Streichen und Kabelverlegen bis hin zum Flexen. Und ich bin mir sicher, ich habe noch nicht all ihre Talente entdeckt ;-) Wer gern heimwerkert, draußen arbeitet und vor ein wenig Schmutz nicht zurück schreckt, hat mit Tess den perfekten Arbeitspartner gefunden.
Auch kleine Pannen bei der Arbeit konnten uns nicht stoppen, es wurde einfach immer eine Lösung gesucht (meist auch gefunden).


     
So flexibel Tess im handwerklichen Bereich ist, über so ein großes Spektrum verfügt sie auch an und auf dem Pferd. Auch wenn ich schon wirklich einige Jahre annähernd täglich mit Pferden arbeite, konnte ich von Tess immer wieder Neues mitnehmen und von ihrer Ausbildung und Vielseitigkeit profitieren. Wie während der gesamten Zeit auf der Ranch hieß es auch bei der Pferdearbeit für mich „Nicht nur dabei, sondern mittendrin“ – ich habe direkt am Pferd assistiert, gefühlt, beobachtet und wurde auch immer wieder zu den verschiedenen Themen nach meiner Meinung gefragt. Jede Unterrichtseinheit endete bei uns eigentlich nicht bei den Pferden, sondern erst eine ganze Zeit später, wenn wir die Einzelheiten nochmals besprochen und gemeinsam Überlegungen angestellt hatten, was warum wie gelaufen war und was für das nächste Mal auf dem Plan stehen könnte. Im Hinblick auf mein Ziel in nicht allzu ferner Zukunft meinen Trainerschein zu machen, durfte ich nach Absprache mit den Reitschülern, sogar kurze Unterrichtssequenzen unter Tess Beobachtung übernehmen.
     
Natürlich kam ich auch in den Genuss mich selbst in der Westernreitweise auszuprobieren – der erste Versuch endete mit viel Lachen und einem unbeholfenen Gesichtsausdruck doch etwas deprimierend, aber unter Tess Anleitung wurde die Kommunikation zwischen Ginger und mir von Mal zu Mal besser. Recht schnell hatten sich auch meine Kommandos den Pferden und der Reitweise angepasst, das „Steh“ wich dem „Whoa“ und auch das richtige Schnalzen saß am Ende sicher. Neben der Tatsache, dass ich also fürs Praktische einiges für mich mitnehmen konnte, bekam ich auch noch einiges an Theorie mit auf den Weg (wer sonst betet schon beim Ausritt die Ausbildungsskala herunter? ;-) ). Zudem konnte ich von Ankes Wissen in Sachen Fütterung profitieren und ein paar neue Aspekte für mich bzw. meinen Feuersturm mitnehmen, so dass er mittlerweile immer mehr vom schlaksigen Langbeiner zum kompakteren Pferd wird.
     
Aber nicht nur in Sachen Pferde und Reitunterricht war ich auf der Gentle Horse Ranch absolut mittendrin statt bloß dabei. Auch in der Familie wurde ich herzlichst aufgenommen, so dass wir viele Stunden klönend und lachend gemütlich miteinander verbrachten. Ich kann nur sagen, dass mein Abendbrot Zuhause ziemlich öde ist ;-)  Es war einfach immer was los und wurde nie langweilig, wenn wir aufeinander trafen. Die Abende waren gefüllt mit lustigen Gesprächen, Spielen, Lagerfeuer, Bogenschießen üben und und und. Gerade in der Woche, in der Bine zu Besuch war, war frühes Schlafen ein Tabu. Auch wenn wir uns im März nur kurz kennen gelernt hatten, war es bei ihrem Besuch doch vom ersten Moment an ziemlich vertraut und so wurden die Bauchmuskeln munter weiter trainiert -- ob beim Zaun peilen, bei der Fahrt zum Reitunterricht, beim Bogenschießen, Quad fahren, Pferdeputzen oder einfach in der Küche, wir hatten immer wieder was zu lachen. Wenn sich unsere Wege dann abends trennten, weil uns die Müdigkeit überkam, freute ich mich jedes Mal wieder auf mein eigenes kleines Häuschen – ich hatte das Privileg als eine der Ersten das Gästehäuschen bewohnen zu dürfen. Für mich genau das Richtige; ein kleines Häuschen für mich, einen Steinwurf vom Haupthaus entfernt mit allem was mein Herz begehrte (Radio, Heizung, ein bequemes Bett, einen Kühlschrank und heißes Wasser). Für mich ab dem 1. Abend ein Ort zum absoluten Wohlfühlen!
     
                     
     
Und auch meinem vierbeinigen Begleiter ging es in der Zeit auf der Gentle Horse Ranch mit großer Weide, genügend Rauhfutter, frischem Wasser und täglichem Reinigungsservice richtig gut. Auch wenn die vierbeinigen Ladies nebenan so ganz andere Typen waren als er sie bisher kannte, fand er doch, dass die kleinen kräftigen Mädels nette Nachbarn waren. Und wenn Flitz sich nicht gerade zwischen eine Schmuseeinheit schmiss, war auch er ein freundlicher Genosse. Wir waren beide rundum bestens verpflegt und ich hoffe, dass es nicht allzu lange dauern wird, bis wir wieder zeitweise bei Euch einziehen dürfen!
     


Ich kann mich also nur für eine wunderschöne Zeit bei Euch bedanken, von der ich wahrscheinlich in der nächsten Zeit des Öfteren träumen werde, während ich in der FH still sitzen muss! Feuersturm und ich haben uns sehr wohl gefühlt bei Euch – ich würde fast sagen, wir haben ein zweites Zuhause gefunden.
Liebe Grüße und auf ganz bald
Sahra mit dem Praktikantenpferd  ;-)
 


Liebe Sahra, liebes Stürmchen,

Ihr seid uns jederzeit wieder willkommen - je öfter je lieber - wir sind immer gern Euer zweites zu Hause.

Es knuddeln Euch
Anke, Tess und alle Horsis, Hundis, Katzen, Igel und Amseln  - und natürlich die Ameisen!