Erinnerung


Ganz leise auf die Wiese gehen, bloß nicht die Pferde wecken, die ganz ruhig auf dem noch feuchten Gras liegen. Es ist Spätsommer und die Sonne taucht die Welt in ein goldenes Licht, die Blätter rascheln im leichten Wind.

Ich gehe auf die Wiese, setzte mich in die Mitte auf den feuchten Boden. Um mich herum schlafende Pferde. Und nein, sie stehen nicht auf und laufen weg, wenn ich in ihre Nähe komme. Sie bleiben liegen, sie vertrauen mir. Wenn ich da so sitze, mir die Sonne auf mein Gesicht scheinen lasse, durchströmt mich ein warmes Gefühl von Geborgenheit. Ja, hier fühle ich mich wohl, umgeben von treuen Begleitern durch das Leben, durch mein Leben. Ich schließe meine Augen und Träume. Plötzlich spüre ich einen warmen Windhauch an meiner Wange und es kitzelt. Als ich meine Augen öffne, blicke ich in die dunklen Augen von Vivi. Sie stupst mich mit ihrer Nase ganz sanft an. Sie möchte geknuddelt werden. Den Gefallen tue ich ihr gerne. Sobald ich allerdings aufhöre und die anderen schlafenden Pferde um mich herum beobachte, werde ich sofort wieder aufmerksam gemacht, dass neben mir mein kleines, verschmustes Pflegepferdchen steht und gekrault werden möchte.

Die Zeit vergeht wie im Flug. Bald schon muss ich wieder gehen. Also verabschiede ich mich von meinen Freunden und von Vivi. Auf dem Weg zum Ausgang werde ich „verfolgt“.
Am Zaun angekommen muss ich mich jetzt aber für ein paar Tage von Vivi trennen. Noch als ich schon von der Wiese entfernt bin, spüre ich den Blick von meinem kleinen Mädchen im Rücken und würde am liebsten wieder zurück gehen.

Ein weiterer unvergesslicher Tag geht zu Ende. Aber die Erinnerung wird immer in meinem Herzen bleiben.


von Kira Kehm